PRESS-BIO

Text für den Ausstellungskatalog herausgegeben von der Galerie JP R-Fisch

Durch seine Verwurzelung in Lüttich kann sich Laurent Impeduglia, der seit etwa zehn Jahren in der internationalen Szene als Maler, Zeichner, Tausendsassa tätig ist, einer atavistischen Respektlosigkeit rühmen, die insbesondere seine Vorgänger Jacques Charlier und Jacques Lizène mit Bravour meisterten. Während letzterer sich selbst als "Künstler der Mittelmäßigkeit" bezeichnet, zögert Impeduglia nicht, auf eines seiner letzten Gemälde in Großbuchstaben "I'm idiot" zu vermerken. Der Hinweis ist deutlich : nichts und niemand muss ernst genommen werden. In seinem Werk kultiviert er voller Entschlossenheit Ironie und schlechten Geschmack, es ist gekennzeichnet durch schreiend bunte Farben, einen ungenauen Pinselstrich und zahlreiche Streichungen. Hier vermischen sich ohne Hierarchie und ohne offensichtlichen Zweck triviale Objekte, abstrakte Formen und philosophische oder religiöse Symbole, wobei er lustvoll alle anerkannten Werte (Kunst, Arbeit, Geld ….) verspottet.

 

In der letzten Bilderserie von Laurent Impeduglia ist die Komposition auf zwei Elemente ausgerichtet : eine mit zögerlichem Strich gemalte Raute oder mächtige, aber oft mit Rissen behaftete und heruntergeklappte Tische. Auf einigen Gemälden werden diese beiden strukturierenden Elemente kombiniert, wobei eine Konstruktion mit Überlagerung von Bildschichten in den Vordergrund tritt. Dass er öfter Ölfarben verwendet, wodurch sich die Trockenzeit verlängert, hat sicherlich mit diesem Verfahren zu tun ; von einem schwerelosen Hintergrund mit spritzigen Farben heben sich mehrere Figuren und Formen ab, die durch Flecken und sehr sinnliche Farben betont werden. Eine Raute, über mehreren Elementen gemalt, jedoch wieder überdeckt von anderen Elementen, scheint schwerelos in einem Raum zu treiben und hebt das Netz von Verbindungen hervor, das sich zwischen nicht erfassbaren Teilen knüpft, die oft wie in einem Videospiel zufällig zu fallen oder hervorzuquellen scheinen.

 

Wenn sich der Künstler für eine auf den ersten Blick stabilere Präsentation auf einem Tisch entscheidet, bleibt doch alles wackelig, da der Untergrund zerfällt und farbige Stützen benötigt. Seine Stillleben sind wortwörtlich oder auf paradoxe Weise bearbeitet : hier findet man unter anderem trockene, jedoch belaubte Stecken, beschädigte Vasen, aus denen grüne Pflanzen (aus Plastik ?) hervorquellen, oder Farbe, Kaktusfragmente, Figürchen (aus Plastik ?) und Hundeporträts hinter Rahmen. Auch wenn Impeduglia dieses klassische Thema verfremdet, bleibt die Bezugnahme auf die Kunstgeschichte flüchtig erkennbar, insbesondere mit dem Hinweis auf die endlose Säule von Brancusi.

 

Die verschiedenen Protagonisten dieser Gemälde auszumachen, ist nicht leicht. Wer ist dieser muskelbepackte und ein wenig lächerliche Superheld, der an SpongeBob, Krümelmonster aus Sesamstrasse, Naranjito, das Maskottchen der Fußballweltmeisterschaft 1982 oder Monsieur Superbois erinnert (sieh an, noch ein lebendes Stück Holz) ? Vielleicht sollte man sie als die Ikonen mehrerer Kindergenerationen sehen, die unter anderem von sich bewegenden Gegenständen fasziniert sind, oder als Possengeister, die ein wenig Unordnung in die Komposition bringen. Auf jeden Fall – und dies ist eine Konstante im Werk von Impeduglia – hat der Spott Vorrang, und das Wuchern von bedeutungsschwangeren Elementen macht jede eindeutige Interpretation zwecklos.

 

Mit dem skarifizierten Schlumpf entfernt man sich großen Schrittes von der Madeleine von Proust, es sei denn, man sucht diesmal in der Ecke der kitschigen Gore-Kultfilme von Troma. In dieser Serie verliert der blaue Zwerg seine zeitlosen und gutmütigen Rundungen, er zeigt ein eckiges, von Erfahrung geprägtes Gesicht. Der für sich in Anspruch genommene Aspekt des "Bal macabre" oder Kitsch wird verstärkt durch blutige Tränen, traurige Clowns und die häufige Verwendung von Kreuzen. Doch dem starken und spontanen Pinselstrich sowie der reichhaltigen Regenbogenpalette entströmt eine immense Lebensenergie. Beseelt durch den starken Wind der Freiheit läutet diese Serie erneut die Zeit der fröhlichen Apokalypse ein.

 Julie Hanique